Der Daewoo Espero

Der Keil aus Korea

 

Was sucht man an diesem Auto vergeblich? Richtig, einen Grill. In Deutschland stand das Schlachtschiff von 1995 bis 1998 bei den Händlern. In einigen Länder wurde er auch unter dem Namen Aranos vertrieben. Eine Entscheidung nahm Daewoo dem potentiellen Käufer ab. Die Wahl zwischen, Fließheck, Stufenheck oder
Kombi. Es gab nur die Stufe! Bei den Motoren hatte man die Wahl zwischen 3 Benziner. Das kleinsteTriebwerk war das 1,5 16V mit 90PS, das bereits im Nexia werkelte. Besser standen dem Wagen aber die 90 PS aus dem 1,8 bzw. 105PS vom 2,0 Liter Motor. Der 1,8 ist aber durch einen kleinen Trick im Bereich der Drosselkappe eingebremst. Dort befindet sich eine kleine Dichtung, die den Durchmesser der Drosselklappe verengt. Entfernt man diese, so hat man auch über 100PS. Zu dieser Maßnahme griff man bei Daewoo, um den Verkauf der Zweilitermaschine nicht zu gefährden. Die Motoren mussten etwas mehr als 1,1 Tonnen in Bewegung halten. Für den Spurt von 0 auf 100 km/h, brauchten die beiden 8vler um die 11 Sekunden und der Kleine 1,5er....naja, irgendwann stand die Nadel auch am Zenit. Dabei jagte man den Knüppel der 5 Gangschaltung durch die Gassen. Mit dem vierstufigen Automatikgetriebe sind gute 2 Sekunden mehr nötig. Der cw-Wert liegt bei 0,29.

So ein Auto lebt nicht nur von Luft, sondern braucht auch noch etwas vom Zaubertrank. Dieser muss aber nicht von Miraculix zusammen gebraut werden, sondern lediglich 91 Oktan besitzen, sprich Normalbenzin. Laut Daewoo war der Espero kein Spritschlucker (Stadt 11,6-11,8 Liter, bei 90km/h 5,5-6 Liter, bei 120km/h um die 7 Liter) . So recht dran glauben fällt schwer. Die Firma Ford sah das ähnlich und verdonnerte den Espero in einem Werbespot zum Negativbeispiel zum Thema "Spritsparend". Äußerlich eigenständig, war die Verwandtschaft zu den Opels der 80ziger Jahre im Technikbereich deutlich. Der Wagen basiert von der Bodengruppe her auf dem Ascona C bzw. einem verlängertem Kadett E. Dies kam zustande, weil General Motors damals eine Beteiligung an Daewoo besaß und somit ein Techniktransfer stattfand. Man sollte nun aber nicht in den Fehler verfallen zusagen, das es eine 1:1 Kopie eines Opels ist. Zwar sind es nur Änderungen im Detail, wie zum Beispiel das Abgasrückführventil, oder die hydraulische Kupplungsbetätigung, aber sie machen Vorüberlegungen nötig, damit Opel- und Daewootechnik harmonieren. Wie beim Nexia, soll auch hier Porsche das Fahrwerk mit gestaltet haben.

  1,5 16V DOHC 1,8 8V OHC 2,0 8V OHC
Leistung 90 PS bei 5400 U/min 90PS bei 5250 U/min 105 PS bei 5000 U/min
Drehmoment 137 Nm bei
3400 bis 4600 U/min
145 Nm bei 2800 U/min 164 Nm bei
2600 bis 3000 U/min
Hub in mm 81,5 79,5 86,0
Bohrung in mm 76,5 84,8 86,0
Verdichtung 9,2:1 8,8:1 8,8:1
Höchstgeschwindigkeit 170 km/h 180 km/h 185 km/h
Preis - ab 28.900 DM ab 30.400 DM

Mit einer Länge von 4,61 m und einer Breite von 1,71 m fand jeder Platz, sogar Komfort. ABS, Fahrerairbag, Servolenkung, Wegfahrsperre, Zentralverriegelung, elektrische Fensterheber, elektrisch verstell- und beheizbare Seitenspiegel, Klimaanlage, Alufelgen, Sitzheizung usw., konnten geordert werden oder waren Serie. Für das Blechkleid, standen 13 Farbvarianten zur Verfügung. In seiner Bauzeit blieb er, bis auf die Seitenblinker Anfang 1996, praktisch unverändert.
Standardmäßig lief der Wagen mit 5,5x14 Zöllern und 185/65 Reifen vom Band. Zur Verzögerung reichten an der Vorderachse Bremsscheiben in der Dimension 256 x 24 mm aus. An der Hinterachse gab’s nur Trommelbremsen. Fahrwerkstechnisch war man sehr konventionell. Vorn sorgte eine Einzelradaufhängung (Mc Pherson) für Bodenkontakt. Hinten verbauten die Koreaner eine angestaubte Verbundlenkerachse mit Torsionsstab. In den Tank gingen 50 Liter, der Kofferraum schluckte 560 Liter und war somit uneingeschränkt Schwiegermuttertauglich. Im Gespannbetrieb konnten 1500 kg gebremst oder 500 kg ungebremst an gekoppelt werden. Der Nachfolger hieß Leganza und war nicht so erfolgreich wie der Espero. Der Trumpf des Espero war sein Einstiegspreis. Sein Schwachpunkt die Verarbeitung. Wie bei allen in den 90zigern gebauten Daewoos, war die Kunststofflandschaft qualitativ weit weg von den Herstellern aus Europa und damit auch von den Ansprüchen des europäischen Kunden. Das war das Problem aller koreanischen Autoproduzenten zu dieser Zeit. Der direkte Konkurrent war der Hyundai Sonata, der aber auch nicht viel besser über die Theke ging. Der Hauptabsatzmarkt waren vor allem die Neuen Bundesländer. Dort entwickelte sich auf der Basis des Nexia und Espero schnell ein großes Händlernetz. Das Design des Keils stammte im übrigen von Bertone, was ihn aber trotzdem nicht zum Verkaufsrenner auf dem deutschen Markt machte.

Was der Wagen niemals war und sein wird, ein Tuningobjekt. Wer sich trotzdem versuchen will, muss auf gnädige Tüver hoffen, sich bei anderen Herstellern bedienen bzw. auf Universalteile zurück greifen. Zum Beispiel passen Fahrwerksfedern vom Nexia und damit auch vom Kadett E. Damit ist Auswahl gegeben, nur die Eintragung hat was mit Lotterie zutun. Das gleiche gilt für den Bereich Motor. Die Bilder sollen zeigen, das auch was geht. Wenn man Realist ist, kann man davon ausgehen, dass es dieses Schlachtschiff nicht mehr lange geben wird. Wenn ihr also noch einen seht, winkt ihm hinter her, denn es ist der Wegbereiter eures Daewoos bzw. Chevrolets.